Coronose

Maskenverkauf am Bayrischen Platz, Berlin-Schöneberg im April 2020.© Maja Peltzer



Das Haus ohne Maske in der Tasche oder auf der Nase verlassen und sich durch die Menge drängen, das war einmal. In der Öffentlichkeit meiden wir den Griff ins Gesicht und das Reiben der Augen. Omnipräsent ist die Bedrohung, sich und andere mit Covid-19 zu infizieren, wehmütig erinnern wir, wie wir Schulter an Schulter im Theater, Konzert, Kino und Vortrag sitzen oder beim schweißtreibenden Tanzen im Club und vor den Bühnen unserer Lieblingsbands mit der Masse schwingen. Wir schauen auf Bilder von Festen, auf denen wir uns auch mal mit komplett Unbekannten in den Armen liegen. Vorbei.


Auf der Hauptstrasse in Berlin-Schöneberg im Juni 2020.© Maja Peltzer


Neuer Alltag


Stattdessen vollführen wir einen neuen Slalomtanz auf dem Bürgersteig, um unsere Mitmenschen in gebührendem Abstand zu umrunden, und wenn das Gegenüber uns nicht mit gleichem Bemühen entgegen kommt, verwünschen wir es ob seiner Ignoranz. Dann erinnern wir uns peinlich berühert an ein Ideal von Toleranz, das wir gegenüber den Wenigen, die sich nicht an Regeln halten, zu haben gelobten. Bürgerschaftliche Kommunikation leide, fordert man allzu rabiat das Einhalten von Regeln ein, sagt Ute Frevert, Direktorin des Forschungsbereichs „Geschichte der Gefühle“ am MPI in einem Interview beim Deutschlandfunk. So suchen wir verlegen nach einem Weg, unsere Vorstellung des social distancing wohl dosiert zu kommunizieren: sachlich, bestimmt und freundlich und halten den Impuls zurück, im geteilten Leid dem Gegenüber einfach nur in die Arme zu fallen.

Handseife und Nasenbleche für Alltagsmasken, 2020.© Maja Peltzer


Corona-Raum


Die neue Sozial- und Raumerfahrung des Bürgersteiges ergibt sich aus den notwendigen Corona-Beschränkungen, denen wir uns unterwerfen (müssen). Sie sind auch Inspiration für die Choreographien der Corona-Krise auf den Bühnen der Welt und schlagen sich nieder in der neuen Sitzverteilung von zögerlich wieder eröffnenden Veranstaltungssälen. Rigide Vorschriften bestimmen Besucherzahl und Laufrichtung in Ausstellungen, Supermärkten und öffentlichen Verkehrsmitteln und wenn man sie befolgt, ist viel leerer Raum um einen herum.

Museumsbesuch 2020. Ausstellungsansicht im Gropius-Bau Berlin, Ausstellung Geschenke und Rituale von Lee Mingwei, Display The Tourist, 2001/2020. Foto: Maja Peltzer


Gesellschaftliche Konventionen und Verhaltensformen verändern sich allmählich und unbemerkt alle 20-30 Jahre, so Historikerin Ute Frevert. Der zurückhaltende Kontakt zu unseren Mitmenschen, den wir unter den Corona-Beschränkungen pflegen, ähnle z.B. den Konventionen der 50er Jahre und nicht alle, die in dieser Zeit geboren wurden, litten an Mangelerscheinungen psychischer Art. Allerdings entstanden diese Konventionen nicht vor dem Hintergrund eines Virus, sondern scheinen eher eine Reaktion auf die Verunsicherungen der Moderne und von zwei Weltkriegen zu sein. Der körperliche und schweißtreibende Rock’n’Roll bildete einen Gegenpol zu dem steifen Körperkonzept dieser Zeit und die schreienden Fans von Stones, Beatles et al. schienen damals welchem Gefühl genau kräftig Luft zu machen?

Corona-Tanz

Vielleicht steht ja jetzt auf der Agenda, der uns einschränkenden Logik des Corona-Virus mit einer spielerischen, freien Gestaltung z.B. eines kontaktlosen Corona-Tanzes zu begegnen, einem Tanz, der die neue Realität ertragen hilft und einen Raum schafft, in dem wir unserem Staunen über das Neue und die uns von der Natur aufgezwungenen Veränderungen Ausdruck geben.

Maskenträger in der Berliner S-Bahn im Mai 2020.@ Maja Peltzer



Manch eine(r) jedoch ärgert sich insgeheim, in Vor-Corona-Zeiten den Kauf eines Grundstücks im Grünen oder die Pacht eines Schrebergartens verschmäht zu haben, hätte man hier doch ein wenig Entspannung von den in der Corona-Krise abrupt zu vollziehenden sozialen Transformationsprozessen finden können: in Ruhe, bei Bienenzucht und Pflanzen-Streicheln. So mögen selig die Besitzer eines Gartens sein, weil sie in der Corona-Krise auf jeden Fall eine Konstante im Werden und Vergehen der Natur und damit einen guten Ausgleich finden können.

Pop-Up-Fahrradweg in der Kantstraße im Mai 2020, Berlin-Charlottenburg. © Maja Peltzer

Coronose

Mangel aber empfindet doch wohl jeder angesichts der Neustrukturierung sozialer Orte und des Verlusts der gewohnten Kommunikation durch die Mimik des ganzen Gesichtes und durch körperliche Nähe. Um der Ausbreitung einer daraus resultierenden Coronose Einhalt zu gebieten, ist es um so wichtiger, breitgestreut neue Kunst- und Kulturräume zu schaffen, in denen die Unmittel​bar​keit der Erfahr​ung, die räumliche Wahrnehmung und das soziale, gemeinsame Erleben coronagerecht inszeniert werden können.

Stein, Frau, Maske. 2020 © Marc Peltzer


Die textilen Alltagsmasken von Der fremde Faden gibt es nach wie vor und wer eine Berliner Schnauze oder Das kleine Schwarze haben möchte, kann sie hier bestellen. Die Masken waren zum Anfang der Krise als schneller Behelf gedacht und haben einen reißenden Absatz gefunden. Damit sie in ihrer Handhabung, Komfort und Schutzfunktion den Anforderungen der Krise gerecht werden, war eine Optimierung der Stoffe und der Verarbeitung notwendig. Die hochwertigen textilen Alltagsmasken von Der fremde Faden kosten 20,00€ und werden per Post verschickt. Alle Masken sind von mir in Handarbeit hergestellt und waschbar bei bis zu 95°C in der Maschine oder 5 Minuten in kochendem Wasser auf dem Herd.

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Schwebende Masken im Juni 2020, Mobilé aus Hanfkordeln, Bambusspießen, Ünterstützungs-Masken von Der fremde Faden , 3. Kollektion. ©Maja Peltzer

Masken-E-Mail an Der fremde Faden schicken!

Bleibt gesund, setzt die Maske auf und lasst uns die Krise gemeinsam überstehen!

Eure Maja Peltzer von Der fremde Faden